Wirtschaftliche Aspekte

GEZ-Gebühren und die Finanzierung von Rundfunk-Podcasts

Damit sich das Podcast-Geschäft auch für den Rundfunk lohnt, ist hier eine finanzielle Lösung notwendig. Schließt man in Bezug auf die Nutzung von Podcasting als zusätzlichen Medienkanal von den in Berlin zu empfangenen Radiosendern auf die deutschlandweite Rundfunk-Situation, so fällt auf, dass sich vorwiegend die öffentlich-rechtlichen Sender am Podcast-Geschäft beteiligen (siehe Tabellen eins und zwei).

Tab. 1: Öffentlich-rechtlich Radiosender in Berlin-Brandenburg:

Verwendung von Podcasts keine Verwendung von Podcasts    
Fritz, Multi-Kulti, Antenne Brandenburg,
Radio 1, Inforadio Kulturradio, RadioBerlin 888   

 

Tab. 2: Private Radiosender, die in Berlin zu empfangen sind:

Verwendung von Podcasts keine Verwendung von Podcasts   
RS2, Energy, Star FM (nicht mehr angeboten),
KissFM, MotorFM  Klassikradio, JAM FM,Jazzradio 101,9,   
  RTL Berlin 104.6,BB Radio, Nova Radio,
  Power Radio, 105,5 Spreeradio, Kaufradio,
  Berliner Rundfunk 91,4, Radio TEDDY,
  Radio Paradiso 98.2, Metropol Fm,
  Radioropa Berlin, Radio Russkij Berlin
  OldieStar Radio, 95.8 Mallorca. Das Inselradio,

 
Dies ist verständlich, denn die privaten Sender müssen sich zur Podcast-Finanzierung mühevoll um Sponsoren kümmern. Die öffentlich-rechtlichen Sender jedoch werden seit Januar 2007 auch für die im Internet zugängigen Medienbeiträge bezahlt. Seitdem sind für jeden Haushalt, der über internetfähige PCs, Handys oder PDAs verfügt und in dem noch keine Runfunk-Gebühren anfallen, der GEZ-Beitrag von 5,52 € zu zahlen (Vgl. http://www.gez.de/door/gebuehren/neg/index.html). Die Livestream-Technologie und auch das Podcasting haben dazu geführt, dass man Computer mit Internetzugang als neuartige Rundfunkgeräte bezeichnen kann. Alle Podcasts der öffentlich-rechtlichen Sender bezahlt man also mit den GEZ-Gebühren.
In Berlin bieten vier der sieben öffentlich-rechtlichen Radiosender Podcasts an. Unter den privaten Sendern in Berlin sind lediglich vier der 22 Sender im Podcast-Business, so z.B. der in Berlin am zweithäufigsten gehörte Radiosender rs2, der für einen Teil seiner Podcasts Sponsoren hat. Auch KissFM – stärkster Jugendsender laut der Media Analyse 2007 der ARD-Werbung SALES & SERVICES GmbH – zieht beim Podcast-Trend mit. Das Besondere ist aber, dass KISS FM mit ihrem Podcast „KISS FM Young Talent Award“ eine Plattform für Nachwuchskünstler bietet. Dieser Podcast ist außerdem eine reine Musikshow ohne Moderation, was unter vom Rundfunk getragenen Podcasts sehr ungewöhnlich ist. Neben Radio ENERGY Berlin bietet MOTOR FM einen Podcast an. Auch der „Motor FM Podcast“ stellt mit seinen ausgespielten Musikbeiträgen etwas Besonderes dar: nur selten nämlich klingen Sender-Podcasts wie die klassischen Musiksendungen. Selbst in den auch weltweit beliebten Morningshow-Podcasts wird häufig die Musik herausgeschnitten, so dass nur die Moderation übrig bleibt (Vgl. Shipside 2005, S. 38f.). Alle kleinen privaten Sender ziehen also nicht mit dem Podcast-Trend mit – ziemlich wahrscheinlich, weil die Finanzierung fehlt und der Fremdgang vom Radiohören zum unbezahlten Podcasthören befürchtet wird. Die Einführung der GEZ-Gebühren auf internetfähige Computer ist ein Teil des wirtschaftlichen Wandels, den die deutsche Medienlandschaft u.a. aufgrund von Podcasting momentan vollzieht.