Wirtschaftliche Aspekte

Privates versus kommerzielles Podcasting

Podcasts selbst produzieren kann im Prinzip jeder, der einen Computer und ein Mikrophon hat. Man braucht sich keine der begehrten Frequenzen bei den Landesmedienanstalten sichern, noch müssen öffentliche Gebühren bezahlt werden, wie beim Betrieb eines Webradios. Daher wird Podcasting häufig als „Radio von und für jedermann“ bezeichnet (Vgl. Rubens 2006, S. viii). So waren die ersten Episoden vieler Podcasts mit billigen Headsets  aufgenommen und wurden ungeschnitten mitsamt Versprecher ins Netz gestellt. Genau diese charmante unprofessionelle Art ist es, die ein Podcast anfangs noch ausgemacht hat:
Angesichts der Massentauglichkeit und der Globalität dieses Medienkanals war die kommerzielle Nutzung des Podcastings jedoch eine wohl unvermeidliche Entwicklung. Schnell haben einige Firmen das neue Medium für sich und ihre Werbezwecke entdeckt. Selbst die meisten „echten“ Radiosender sind „auf den Wagen aufgesprungen“.
Die Entwicklung, die das Podcasting genommen hat, ist also ähnlich wie der Bubble-Up-Effekt in der Mode zu sehen. Podcastings hat sich zunächst in der breiten Masse durchgesetzt, bis der Trend auch von den herkömmlichen Medien und von öffentlichen Institutionen aufgegriffen und kommerzialisiert wurde. Diese Entwicklung war insofern unausweichlich, als das die Podcasting-Idee zur schnellen Verbreitung der Hörerschaft über das Internet gedacht war.
Mittlerweile stellen auch viele traditionelle Rundfunksender Podcasts online. Meistens werden ausgewählte, bereits existierende Sendungen zusätzlich zum Online-Abonnement angeboten. Beispielsweise ist seit August 2005 die Tagesschau der ARD als täglich erscheinender Podcast online (Vgl. Rubens 2006, S. xiii). Leider werden vom Rundfunk kaum Beiträge allein für das Podcasting produziert. Selten auch werden direkt Musiksendungen mit Musikbeiträgen als Podcast wieder verwendet. Stattdessen aber werden häufig Musik-News, Star-Interviews, CD-Empfehlungen wie die „CD der Woche“ bei hr1 oder auch Sprachbeiträge zur Popmusikgeschichte, wie z.B. das „Tagebuch der Popmusik von Frank Laufenberg“ vom SWR1, zum Abonnieren angeboten. Im außermusikalischen Bereich ist die Vielfalt sehr viel größer. Die Podcasts der Rundfunkanstalten reichen von Nachrichten, politischen oder religiösen Sondersendungen, Comedy-Serien über Promi-Talks bis hin zu den erwähnten Hörspielen und Podcasts-Novelas.
Des Weiteren haben auch einige Unternehmen wie z.B. Mercedes Benz, Auric Hörsysteme und die Pironet NDH Unternehmensgruppe das Podcasting für sich entdeckt. Solche Podcasts sind oft reine Informations- und Talk-Casts, wie der IKEA-Podcast,  in dem Annik Rubens Mitarbeiter von IKEA interviewt. Aber auch klassische Radiosendungen mit einer Mischung aus Musik und Moderation, wie der Benz-Podcast, sind hier vertreten.
Auch Universitätsbetriebe und sogar die Polizei (Vgl. http://www.mediaculture-online.de/Details.305+M540a72ee4b9.0.html) nutzen mittlerweile die Podcasting-Technologie. Obwohl hier auch eine Institution dahinter steht, kann man solche Podcasts wohl kaum als kommerziell betiteln.
Einer der außergewöhnlichste Podcast in Deutschland ist wohl jedoch der Vodcast von Angela Merkel. Seid Juni 2006 erscheint jeden Samstag eine neue Episode von „Angela Merkel – Die Kanzlerin direkt“, in dem die Bundeskanzlerin persönlich vor der Kamera ein durchschnittlich dreiminütiges Statement zu einem aktuellen politischen Thema präsentiert. Dies zeigt sehr deutlich, wie schnell sich Podcasting zum Massenmedienkanal auch im deutschen Raum entwickelt.
Unter Podcastern ist mittlerweile eine heiße Debatte entflammt (Vgl. Van Aaken 2005, S. 24), in der der Zwiespalt zwischen den vielen freien, nicht werbefinanzierten Podcasts und den Podcasts mit institutionellem Hintergrund diskutiert wird. Nicht-kommerzielle Podcaster befürchten, dass die kommerziellen Podcasts durch ihre professionelleren Produktionen eine große Konkurrenz um die Hörerschaft darstellen. Durch die starke Medienpräsenz der kommerziellen Podcasts könnten privat produzierte Podcasts verdrängt werden, so mutmaßt man. Dass Podcaster, die kein Geld für ihre Podcast-Tätigkeit erwerben, sich auch nicht die aktuellsten Aufnahmetechniken oder Werbung für ihre Shows leisten können, stellt private Podcasts möglicherweise hinten an. Dennoch profitieren auch private Podcaster von der Kommerzialisierung, da so ein sehr viel größeres Publikum auf Podcasting im Allgemeinen aufmerksam gemacht wird.