Geschrieben von: Teresa Samulewicz
Podcasts sind Radio- bzw. Fernsehsendungen, die kostenlos als MP3- bzw. MP4-Dateien im Internet angeboten werden. Video-Podcasts stellen eine besondere Art der Podcasts dar und werden auch Vodcasts genannt.
Im Gegensatz zu herkömmlichen MP3- oder Videodateien im Internet können Podcasts nicht nur einzeln herunter geladen, sondern auch abonniert werden. So erfolgt der Download der neuesten Episode des abonnierten Podcasts automatisch. Zusätzlich werden manche Podcasts zum direkten Anhören im Internet angeboten.
Das Besondere gegenüber dem Rundfunk bzw. gegenüber Livestreams ist, dass man den abonnierten Podcast beliebig oft und unabhängig von der Uhrzeit anhören kann. Damit stellt Podcasting eine Art Video-/Radio-On-Demand dar.
Der Name „Podcasting“ – abgeleitet von den beiden Wörtern „broadcasting“, zu Deutsch „Sendung“ bzw. „Rundfunk“, und „iPod“, dem wohl bekanntesten MP3-Player, hergestellt von Apple – trat zum ersten Mal am 12. Februar 2004 in einem Artikel von Ben Hammersley in „The Guardian“ auf (Ob er der Urheber des Begriffs ist, scheint nicht ganz klar zu sein. Auch Dannie Gregoire wird oft als Wortschöpfer angegeben. Vgl. auch Rubens 2006, S. ix). Dabei braucht man für das Podcasten nicht zwangsläufig einen iPod. Dieses Apple-Produkt wurde hier lediglich repräsentativ für MP3-Player zur Namensgebung des Podcastings verwendet, denn ursprünglich waren Podcasts zum Runterladen und unterwegs Hören gedacht.
Die Technologie, die hinter dem Prinzip des Podcasting steht, ist aber nicht unbedingt neu. Das MP3-Format gibt es schon seit nunmehr elf Jahren. Das elektronische Nachrichtenformat RSS („Really Simple Syndication“), mit dessen Hilfe Webinhalte abonniert und in andere Webseiten integriert werden können, existiert bereits seit 1999. Dave Winer, Vater des RSS-Formates, leistete damit die Vorarbeit zum Podcasting (Vgl. Van Aaken 2005, S. 12). 2004 gelang es dem ehemaligen MTV-Moderator Adam Curry schließlich, die bereits existierenden Mittel so zu modifizieren, dass nun das automatische Herunterladen von Mediendateien möglich wurde (Vgl. Rubens 2006, S. ix). Begünstigt wurde die Entwicklung des Podcastings durch die Verbesserung der Internetsituation: die Kosten für DSL und Flatrates sind gesunken, so dass die Nutzung von schnellen Internetzugängen stark zugenommen hat – eine Voraussetzung, um die teilweise recht großen Datenmengen der Sendungen auch in angemessener Zeit herunterladen zu können.
Postwendend wurden die ersten Podcasts produziert – mit als erstes der „Daily Source Code“ von Adam Curry. Im Juni 2005 verhalf Apple dem Podcast-Geschäft zu einem großen Schritt in die Öffentlichkeit: Seit diesen Zeitpunkt wird in dem Mediaplayer iTunes das Abonnieren von Podcasts unterstützt. Außerdem bietet iTunes seitdem ein Podcast-verzeichnis aller dort angemeldeten Podcasts an. Damit übernahm iTunes die Funktion eines so genannten Podcatchers, auch Podclient oder Podgrabber genannt. Zuvor gab es bereits andere solcher Programme (Vgl. Rubens 2006, S. 12). Da iTunes aber als Musikverwaltungsprogramm auch unter Musikliebhabern weit verbreitet war, die Podcasting bisher nicht kannten, wurden mit einem Schlag sehr viele Nutzer auf den neuen Medienkanal aufmerksam.
Podcatcher sind Programme, mit dessen Hilfe man Podcasts abonnieren kann oder auch einzelne Episoden eines Podcasts herunterladen kann. Das Abonnieren funktioniert über eine für jeden Podcast spezifische XML-Datei, einem so genannten RSS-Feed. Darin sind die einzelnen Episoden mit Beschreibung und deren URL, unter der die eigentlichen MP3- bzw. MP4-Dateien zu finden sind, aufgeführt. Hierzu gibt es spezielle Podhosting-Software, mit deren Hilfe man als Podcaster seine Episoden auf den so genannten Podspace – Webspace für Podcasts – hochladen kann.
Aktualisiert der Podcaster das RSS-Feed seines Podcasts, indem er eine neue Episode hinzufügt, so verändert sich das Erstellungsdatum des RSS-Feeds. Der Podcatcher überprüft nun regelmäßig die Erstellungsdaten der RSS-Feeds der abonnierten Podcasts. Ist das Erstellungsdatum des zuvor gespeicherten RSS-Feeds älter als das Erstellungsdatums des gerade aktualisierten Feeds desselben Podcasts, so wird die gesamte XML-Datei nach Einträgen zu neuen Episoden überprüft. Hierbei wird der Podcatcher auf die Beschreibung und die URL der neuen Episode verwiesen, lädt diese herunter und integriert schließlich die dazugehörigen Beschreibungen. Viele Podcatcher bieten gleichzeitig ein Podcast-Verzeichnis an, worin man alle hier eingetragenen Podcasts suchen und finden kann. Ist der Podcast nicht in einem solchen Verzeichnis eingetragen, so kann man auch die URL des RSS-Feeds des jeweiligen Podcasts direkt in den Podcatcher integrieren und die Sendung auf diese Weise abonnieren.
Das Prinzip des Podcasting erfordert nur sehr geringen technischen Aufwand. Die Software – sowohl zum Erstellen als auch zum Hören von Podcasts – kann man kostenlos im Internet herunterladen. Damit stellt Podcasting eine äußerst kostengünstige Möglichkeit dar, Musik bzw. Sprachnachrichten zu verbreiten.
Die allerersten Podcast-Shows haben sich eher um das Podcasten selbst gedreht – z.B. darüber, welche Mikrophone und Programme oder auch welche Inhalte empfehlenswert seien. Diese Themen waren verständlicher-weise nicht lange unterhaltsam – vor allem nicht für Hörer, die ausschließlich Podcast-Konsumenten sind, also keinen eigenen Podcast haben. Ziemlich bald haben sich weitere Podcasttypen herausgebildet, die nun nachfolgend mit einigen Beispielen erläutert werden (Vgl. Van Aaken 2005, S. 17f.).
Die Mehrheit aller Podcasts sind Personality-Podcasts. Hier teilt der Podcaster seine persönlichen Meinungen, Empfehlungen und Erfahrungen mit und plaudert gewissermaßen „über Gott und die Welt“. Für das Podcasting allgemein werden sie häufig als repräsentativ gesehen, da hier der Grundgedanke, dass jeder Podcast-Radio machen kann, durch die starke Personenbezogenheit deutlich wird. Der Podcaster zeigt sich als Persönlichkeit, in dem er auch von sich selbst redet. Umso weniger nimmt man es ihm übel, wenn er kleine Fehler macht, z.B. wenn er einen Beitrag zu früh einspielt. Annik Rubens, deren „Schlaflos in München“ für Deutschland den Vorzeige-Personality-Podcast darstellt, hat ähnlich unprofessionell begonnen. Nachdem sie sich mit neuerer Technik eingekleidet hat und einige Erfahrungen gesammelt hat, berichtet sie: „Bei ‚Schlaflos in München’ regten sich sogar einige Hörer auf […] – ich sei zu professionell geworden, hieß es dann, das sei kein Podcast mehr“ (Rubens 2006, S. 51).
Des Weiteren gibt es Themen-Podcasts. Hier werden z.B. Erziehungshilfen, Kochtips oder auch Sprachkurse in diversen Sprachen dargeboten. Wissenschaft, Technik, Politik, Kultur – über sämtliche Bereiche kann man hier den passenden Podcast finden. Der Begriff des Edutainment – eine Kunstwort aus Education und Entertainment – ist auf Themen-Podcasts sehr treffend. In diese Kategorie fallen auch sämtliche Podcasts, die von Universitätseinrichtungen betrieben werden. Hier wird die Casting-Technologie sinnvoll genutzt, in dem Vorlesungen aufgenommen und zum Abonnieren online gestellt werden. Aber auch auf Musik bezogene Themen-Podcasts gibt es (Vgl. Shipside 2005, S. 75ff.). Die vielfältige Auswahl reicht von Podcast-Lektionen an diversen Instrumenten wie beispielsweise der Podcast Guitar-TV mit Reinhold Pomaska über musiktheoretische Sendungen bis hin zu Podcasts zur Musikgeschichte. In den USA gibt es ein noch breiter gefächertes Angebot, wie beispielsweise die umfassenden Pandora Podcast Series, in denen diverse musikalische Themen besprochen werden wie Gitarreneffekte, der Groove beim Salsa oder auch Harmonielehre für Anfänger. Die meisten musikspezifischen Themen-Podcasts sind thematisch bei der Popmusik angesiedelt, da dies – wie verschiedene Podcast-Charts zeigen – die beliebtere Musikrichtung auch unter den Podcasthörern ist. Podcasts zu klassischer Musik sind häufig wiederverwertete Sendungen aus dem Klassikprogramm des Rundfunks.
Im Bereich Musik gibt es außerdem einerseits reine Musikpodcasts ohne Moderation, wie den Starfrosch-Podcast mit mehreren Podcastserien für einzelne Genres der Popmusik, oder beispielsweise auch den Munichsessions-Podcast, in dem ausschließlich Live-Mitschnitte zu hören sind. Demgegenüber gibt es auch Radioshows mit Moderation im klassischen Radiostil. Solche Podcasts erinnern sehr an jene früheren Radiosendungen, in denen die Moderatoren noch ihre eigenen Musik-CDs ins Studio mitgebracht und mit aufrechter Begeisterung kommentiert haben. Auch hier sind Podcasts zu Popmusik präsenter als zu klassischer Musik. Insgesamt stellen Musikpodcasts jedoch nur einen geringen Teil unter allen Podcasts dar.
Neuerdings haben sich auch Hörspiele und Podcast-Novelas herausgebildet, wie etwa der „Liebe im ersten Semester“-Podcast, welcher zusätzlich bei den Radiosendern RS2, Radio SAW, Radio PSR und der Landeswelle Thüringen ausgestrahlt und beworben wird.
Was die meisten Podcasts aus allen Kategorien vereint, ist der Einsatz von Musik. In vielen Personality-Podcasts gibt es einen „Erkennungssong“ oder ein Musikbett. Auch wird in den meisten Themen-Podcasts Musik zur Untermalung benötigt und verständlicherweise kommen auch die wenigsten Podcast-Hörspiele ohne Musik aus.