Gerade weil die privaten Podcaster in den wenigsten Fällen gewinnbringend produzieren können, bleibt die dargestellte Rechtslage für die Auswahl der Musik in Podcasts nicht ohne Folgen. Selbst wer 30 Euro im Monat zahlen kann, dürfte nie mehr als 31 Songs monatlich veröffentlichen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass die Liste der Podcasts, in denen GEMA-lizensierte Musik gebracht wird, momentan eher überschaulich ist (http://www.gema.de/cgi-bin/podcasts/list.cgi). In reinen Musikpodcasts ohne Moderation dürfen nach der aktuellen vorläufigen Verordnung aufgrund der fehlenden Talk Overs – der Moderierung in die Musikwerke hinein – gar keine GEMA-geschützten Werke gespielt werden. Daher halten sich die meisten musikaffinen Podcaster an freie oder CC-lizensierte Musik. Jedoch sind die meisten etablierten Künstler in Deutschland GEMA-Mitglieder. Aber auch die meisten US-amerikanischen Komponisten mit höherem Bekanntheitsgrad lassen in ihren CC-Verträgen eine Nutzung ihrer Werke für Podcasting nicht zu. Vereinzelt jedoch kann man auch in dem Podsafe Music Network podsafe Musik von Stars wie Alice Cooper oder auch Panic! At The Disco finden. Einen regelmäßig erscheinenden Musikpodcast kann man wahrscheinlich aber nicht komplett mit podsafer Mainstream-Musik füllen, da zu wenig bekannte Künstler ihre Songs für Podcasts freigeben. Daher beinhalten die meisten Podcasts die CC-lizensierte Independent Music der weniger bekannten Künstler. Die Vielfalt qualitativer Musik ist dabei nicht minder groß: von Pop, Rock, Punk bis Techno gibt es mittlerweile einen riesigen Fundus an podsafer Musik, die in diversen Musiknetzwerken angeboten wird.
Aus Kostengründen halten sich auch die meisten Firmen-Podcasts an das Repertoire der CC-lizensierten Künstler. Damit hat sich für die Mehrzahl der Musik-Podcasts die Nutzung von Independent Music so stark etabliert, dass diese Musikauswahl annähernd zum Charakteristikum für Podcasting im Allgemeinen geworden ist.
Nicht unverständlich ist, dass sich daher viele unbekannte Musiker ihren Durchbruch durch Podcasting erhoffen. Das Repertoire podsafer Musik in den Musiknetzwerken wächst immens. Die darin verzeichneten Musiker können, wenn sie in Podcasts gespielt werden, im gewissen Maß einen Bekanntheitsgrad erlangen. Im Normalfall nennt der Podcaster zu den Songs die Namen der Künstler und verweist die Hörer eventuell auf eine dazugehörige Homepage. Werden die eigenen Werke von bekannteren Podcastern gespielt, so kann sich dies auch positiv auf den Online-Verkauf weiterer Werke auswirken (Vgl. Aaken 2005, S. 26). Auf diese Art des Direktmarketings wird der klassische Musikhandel der Musikindustrie interessanterweise völlig ausgeklammert (Größere Einschnitte in der Musikindustrie wird Podcasting aber vermutlich nicht verursachen, da man mit Podcasting nur Online-Gänger anspricht.).
Eine weitere, nahe liegende Option für Nachwuchs-Künstler ist das kreieren eines eigenen Podcast. So veröffentlichen z.B. die beiden Musiker Disco Don und Bellaphonik in ihren Podcast Discophonik ihre eigenen Musikproduktionen.
Podcasting bietet also nicht nur für verkannte Radiomacher sondern auch für Nachwuchskünstler auf kostengünstigste Art und Weise eine enorme Möglichkeit, ihr Können öffentlich zu beweisen.