Methoden der Handschriftenkunde

Allgemeine kodikologische Methoden

Die Handschriftenkunde, auch Kodikologie benannt, ist eine historische Hilfswissenschaft, die sich – unter anderem zum Zwecke der Datierung – mit handschriftlichen Büchern beschäftigt. Aufgaben der Kodikologie sind z.B. die Analyse des Beschreibstoffes, der Tinte, von Liniierungen sowie von Wasserzeichen, welche ja bereits seit dem zweiten Drittel des 13. Jahrhunderts in Papieren nachweisbar sind (Vgl. Konrad, Sp. 1914). Einige Übereinstimmungen gibt es auch mit der Paläographie, die alle graphischen Merkmale von Schriftzeichen, Buchstabenformen und Notenzeichenformen im geschichtlichen Verlauf betrachtet (Vgl. http://web.uni-bamberg.de/ggeo/hilfswissenschaften/handbuch/handbuch3.html). Die Paläographie lässt oftmals jedoch zumindest im Notenbereich nicht sehr genaue Aussagen zur Datierung zu. Hingegen ist die Kodikologie, insbesondere die Wasserzeichenanalyse, im Datierungsprozess musikalischer Werke oft die einzige brauchbare Datierungshilfe. Sie wird auch häufig verifizierend angewendet.
An einem handschriftlich beschriebenen Blatt wird zunächst Material, Dicke und Beschaffenheit des Papiers untersucht. Weiterhin können durch eine chemische Tintenanalyse der Tintenbestandteile mehrere Tintensorten untereinander verglichen werden. Möglicherweise kann über den Vergleich mit den Tintensorten bereits datierter Dokumente der Schreibzeitraum ausfindig gemacht werden.
Gegebenenfalls kann auch die Rastrierung der Notenlinien zur Hilfe gezogen werden. Solche so genannten rastrografischen Daten, die Weite und Geradlinigkeit der Linien, können bei einem Vergleich zu anderen Notenpapieren etwas über den Zeitpunkt verraten, zu dem das Papier rastriert wurde (Vgl. Zips, S. 66, S. 106, S. 135).
Was man bei Papier-, Rastrier- und der Wasserzeichenanalyse aber nicht vergessen darf, ist, dass hiermit der Zeitpunkt ermittelt wird, zu dem das Papier verkaufsfertig gemacht wurde, nicht aber der Zeitpunkt, zu dem das Papier beschrieben wurde. Dennoch kommt man dadurch immerhin auf eine Genauigkeit von 4 Jahren, je nach Papierkonsum des Komponisten (Vgl. Gerardy, S.217). Kombiniert man mehrere dieser Datierungsmethoden, so kann man durchaus auf sehr exakte zeitliche Bestimmungen kommen.
Die Wasserzeichenanalyse nimmt in der Datierungsforschung eine besondere Rolle ein und wird daher im Folgenden einzeln behandelt.