Die Datierungsaufgabe birgt zwei grundsätzlich verschiedene Lösungsansätze, die auch verifizierend angewendet werden können. Zum einen ist dies die Datierung nach internen Kriterien – die Stilkritische Methode, zum anderen die Datierung nach werkexternen Kriterien.
Bei Datierungen mittels interner Kriterien werden alle zur Datierung nützlichen Informationen aus dem geistigen Gehalt der zu datierenden Quelle selbst gezogen. Hierbei wird der musikalische Inhalt genauestens untersucht und der Stil in eine Schaffensphase des Komponisten eingeordnet. Die Stilistik und auch die Reife eines Werkes sind hier von besonderem Interesse. Über den Ausdruck, etwa bei einem sehr feierlich-tragischem Werk, können unter Umständen Rückschlüsse auf den Anlass der Komposition gezogen werden. Auch der Titel des Werkes kann hierzu Hinweise geben. Die Verwendung bestimmter Gattungen bzw. Stilelemente von anderen Komponisten oder fernen Ländern kann für eine kürzere Schaffensphase eines Komponisten typisch und somit für die Datierungsfrage relevant sein.
Wie sicher aber können diese Aussagen sein? Die Datierung nach internen Kriterien erfordert ein extrem hohes Maß an detailliertem und umfangreichem Wissen über die Werke und das Leben des Urhebers und erweist sich damit oft als sehr schwierig. Zudem sind Aussagen über die Datierung nur ungenau möglich und zudem sehr subjektiv. Je genauer das Entstehungsdatum angegeben wird, desto unzuverlässiger erscheint die Datierung. Daher wird oft nur dort stilkritisch analysiert, wo die Datierung nach externen Kriterien nicht möglich ist oder zu keinem sicheren Ergebnis geführt hat.
Datierungen nach externen Kriterien sind weitaus zuverlässiger und genauer, dafür jedoch nicht in absolut jedem Fall anwendbar. Hierbei werden zur Datierung externe Informationen herangezogen, die vom Inhalt der Quelle unabhängig sind. Dazu gehören zum einen weitere Dokumente, in denen das Werk erwähnt wird oder in denen Teile daraus enthalten sind, wie zum Beispiel Briefe, Abschriften oder Drucke und zum anderen die Analyse des reinen Materials wie bei der Papieranalyse. Hierbei werden beispielsweise die Wasserzeichen der Papiere analysiert und verglichen. Die Methode erlaubt eine auf ca. vier Jahre genaue Datierung, im Idealfall sogar weit genauer. Damit ist die Wasserzeichenanalyse eine sehr gängige und relativ zuverlässige Behandlungsweise, welche in dieser Ausarbeitung in Kapitel III.2. daher besonders detailliert dargestellt werden soll.
Außerdem zählen auch paläographische Aspekte zu den externen Datierungskriterien: Hierbei werden die Schriften auf zeitliche Besonderheiten untersucht, zum Beispiel nach charakteristischen Merkmalen der Handschrift oder der Verwendung für eine bestimmte Zeit üblicher Kürzel, Buchstabenformen, Schriftarten und speziell auch Noten-, Artikulations- und Vortragszeichen. Diese Methode wird häufig auch bei der Echtheitsprüfung eines Werkes angewendet.
Bei der Datierung nach externen Kriterien arbeitet man mit den Begriffen „terminus post quem non“ (=spätmöglichster Zeitpunkt) und „terminus ante quem non“ (=frühmöglichster Zeitpunkt). Als „terminus post quem non“ kann man den Zeitpunkt ansehen, in der das älteste Dokument datiert ist, welches die vollendete Komposition erwähnt: Das Werk kann also nicht nach Entstehung dieses Dokuments komponiert worden sein. Der „terminus ante quem non“ hingegen ist manchmal schwieriger festzustellen. Für den frühmöglichsten Entstehungszeitpunkt finden sich aber Hinweise in Skizzenbüchern – falls vorhanden – oder auch Briefen, in denen der Komponist sein Kompositionsvorhaben ankündigt bzw. einen Kompositionsauftrag erhält.
Die Ausführungen zu internen Kriterien sollen hier aufgrund der wenig verlässlichen Aussagekraft dieses Datierungsansatzes genügen. Zudem kann man hierzu keinen einheitlichen Regelkatalog aufstellen, da jede Datierung nach internen Kriterien einen Einzelfall darstellt. Die Methoden nach externen Kriterien sollen daher im Folgenden umso genauer und in verschiedensten Facetten vorgestellt werden.