Die hartnäckigsten Datierungsfälle finden sich wohl bei Schriftstücken aus dem dreizehnten bis frühen neunzehnten Jahrhundert. Aus der Zeit davor sind nur in wenigen Fällen überhaupt noch zu datierende Dokumente erhalten. Gerade aber die mittelalterlichen Musikcodices und Handschriften der Renaissance sind aufgrund ihrer nur noch sehr schlechten äußeren Verfassung sehr schwierig zu datieren. Außerdem sind weitere dokumentarische Belege zu den Handschriften kaum mehr erhalten. Schriften, die nach dem neunzehnten Jahrhundert entstanden sind, unterliegen oftmals günstigeren Bedingungen zur Datierung. Dies hat nicht zuletzt mit dem wachsenden Geschichtsbewusstsein im neunzehnten bzw. zwanzigsten Jahrhundert zu tun. Außerdem hat sich durch die Fortschritte in der Drucktechnik und der Papierherstellung im Zuge der Industrialisierung die „Papier-Situation“ so verbessert, dass auch Komponisten, die zu Lebzeiten weniger bekannt waren, ihre Werke drucken lassen konnten. Im Falle von verlorenen oder unvollständig erhaltenen Druckschriften steigt so die Wahrscheinlichkeit, dass noch weitere Druck-Exemplare desselben Werkes erhalten sind.
Solange man als Musikwissenschaftler überhaupt ein zeitgenössisches Schriftdokument in der Hand hält – selbst wenn es sich dabei nicht um das eigentliche zu datierende Dokument handelt, sondern um einen Druck, eine Abschrift oder einen Brief, einen Konzertbericht oder eine Rezension – kann man zwar immerhin noch mittels Papieranalyse dieser weiteren Schriften Rückschlüsse auf die Entstehungszeit der Komposition ziehen, jedoch sind jene Datierungen nie sehr genau.
Schwieriger noch wird es, wenn nur noch Druckschriften erhalten sind, die sehr viel später entstanden sind als das eigentliche zu datierende Dokument – etwa weil dieses nach dem Druck verloren gegangen ist, zum Beispiel wie bei diversen im Zweiten Weltkrieg verschollenen Schriften. Hier besteht, falls das Werk auch in keinen weiteren Dokumenten erwähnt wird, nur noch die Möglichkeit, anhand stilistischer Faktoren die Komposition in die Schaffenszeit des Komponisten einzuordnen. Auch diese Fälle sind eher schwierig zu handhaben.
Wiederum treten Datierungsprobleme auf, wenn verschiedene Dokumente vorliegen, die widersprüchliche Angaben zum Entstehungszeitpunkt der Komposition liefern. Ein Fall dieser Art ist in Kapitel II.3. zu der Hammerklaviersonate von Ludwig van Beethoven aufgeführt.