Geschrieben von: Teresa Samulewicz
Wie wir sehen konnten, gibt es zahlreiche Möglichkeiten, bei der Datierung von musikalischen Werken vorzugehen. Wie genau und wie sicher das Ergebnis sein mag, ist immer von dem speziellen Fall abhängig. Danach richtet sich die Auswahl der Methoden. Datierungen nach internen Kriterien sind dabei eher als nicht sehr verlässlich anzusehen, da sie auf Unterschätzungen oder Überschätzungen der Kompositionsvielfalt oder des kompositorischen Fortschritts des Komponisten basieren können. Sofern es möglich ist, sollte daher immer ergänzend eine kodikologische Analyse durchgeführt werden.
Die dokumentarische Datierungsmethode erweist sich häufig als einfach und schnell zum Ziel führende Möglichkeit. Sofern mehrere Belege auf ein und denselben Entstehungszeitpunkt deuten, wird dieser kaum noch widerlegbar sein. Wie der Datierungsfall von Beethovens Hammerklaviersonate jedoch gezeigt hat, können auch Dokumente des Komponisten selbst in Zweifel gezogen werden.
Kodikologische Untersuchungen sind vielversprechende Methoden, die durch eine gründliche, systematische Vorgehensweise schnelle Ergebnisse ermöglicht. Außerdem ist die Kodikologie im Gegensatz zu den anderen Datierungsmethoden noch weiterentwicklungsfähig. So könnte zum Beispiel die gezielte Forschung in Hinblick auf chemische Tintenanalysen irgendwann noch genauere Datierungen ermöglichen. Schließlich ermittelt man mit der Datierung der Tinte den exakten Zeitpunkt des Beschreibens.
Für bestimmte Fälle, z.B. dort, wo weder Autograph noch Stichvorlage, Skizzen oder dokumentarische Belege verfügbar sind, wird es jedoch wohl nie zufriedenstellende Datierungen geben. Umso wichtiger ist es, dass sich die Methoden nicht gegenseitig ausschließen, sondern ergänzen. Die sichersten und genauesten Resultate erzielt man immer, in dem man mehrere Datierungsmethoden kombiniert.
Literatur
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Gertsch, Norbert: Ludwig van Beethovens „Hammerklavier“-Sonate op.106. Bemerkungen zur Datierung und Bewertung der Quellen, in: Bonner Beethoven-Studien, Band 2 / hrsg. von Seghard Brandenburg und Ernst Herttrich / Veröffentlichungen des Beethoven-Hauses Bonn, Reihe V, Bonn 2001, S.53-93
Konrad, Ulrich: Artikel ‚Wasserzeichen‘, in: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Allgemeine Enzyklopädie der Musik, zweite, neubearbeitete Ausgabe, hrsg. von Ludwig Finscher, , Sachteil 9, Kassel etc. 1998
Lenz, Hans Ulrich: Der Berliner Musikdruck von seinen Anfängen bis zur Mitte des 18. Jahrhunderts, Kassel etc. 1933
Litschauer, Walburga: Wasserzeichen als Datierungshilfe. Neue Erkenntnisse zu Schuberts Werken vor 1823, in: Franz Schubert - Werk und Rezeption / hrsg. von Dietrich Berke…, Teil III: Ästhetik, Rezeption und Methodenfragen / Bericht über den Internationalen Schubert-Kongreß Duisburg 1997 / Schubert-Jahrbuch 1999, Duisburg 2001, S. 155-162
Roth, Adalbert: Zur Datierung der frühen Chorbücher, in: Datierung und Filiation von Musikhandschriften der Josquin-Zeit / hrsg. von Ludwig Finscher, Quellenstudien zur Musik der Renaissance; 2, Wolfenbütteler Forschungen Band 26, Wiesbaden 1983, S. 239-268
Weinhold, Lisbeth/Weinmann, Alexander: Kataloge von Musikverlegern und Musikalienhändler im deutschsprachigen Raum 1700-1850. Verzeichnis mit Fundortnachweisen und einem historischen Überblick, Catalogus Musicus XV, Kassel etc. 1995
Bildnachweis
Abbildung 1:
Auszug aus dem Vorwort des ersten „Musikalisch-literarischen Monatsberichtes“ 1829 von C. F. Whistling, in: Österreichische Nationalbibliothek: „Hofmeister Monatsberichte online“, URL: http://anno.onb.ac.at/cgi-content/anno-buch?apm=0&aid=1000001&bd=0001829&teil=0203&seite=00000003&zoom=1 [Stand: August 2007]